Richtkranz/Photo by Sven Mieke on Unsplash

Vorfahrt für den privaten Wohnungsbau gefordert

In der Diskussion um Wohnungsmangel in Deutschland spielt ein Aspekt bisher eine untergeordnete Rolle. Wer baut eigentlich die dringend benötigten Wohnungen? Die Antwort darauf gibt der aktuelle Wohnungswirtschaftliche Konjunkturbericht 2020/2021 des BFW Landesverbandes- Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg. Er zeigt, dass private Bauherren und private Wohnungsbaugesellschaften für den Wohnungsbau unverzichtbar sind.

„Privatleute und die mittelständischen Wohnungsunternehmen haben damit in Baden-Württemberg auch 2020 den Löwenanteil des Wohnungsneubaus geschultert. Leider werden die wichtigsten Akteure des Wohnungsbaus im Koalitionsvertrag kaum erwähnt. Vielleicht verkennen Teile der Politik noch immer die Leistungen der Privaten für den Wohnungsbau“, betonte Lipka. „Die privaten Unternehmen könnten noch deutlich mehr bauen, wenn die Kommunen die dafür nötigen Grundstücke entwickeln würden, die Behörden Bauanträge schneller genehmigten und das Land die nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen würden.“ Nur wenn mehr Wohnungen angeboten werden können, wird der Wohnungsmarkt dauerhaft entlastet und der Preisanstieg gedämpft. Zweckentfremdungsverbote und andere Regulierungen schrecken private Investoren eher ab“, so Lipka.

Die Schere zwischen Nachfrage und Angebot wächst
Obwohl auch 2020 und im ersten Quartal 2021 in Baden-Württemberg mehr Wohnungen gebaut wurden als im Vorjahr, wächst die Schere zwischen Nachfrage und Angebot. Lipka wies darauf hin, dass 2020 49.951 Wohnungen genehmigt wurden. Dies seien 6,4 Prozent mehr als 2019. Auch im ersten Quartal 2021 sei die Zahl der Genehmigungen mit 14.790 Wohnungen gegenüber 11.200 im ersten Quartal 2020 gestiegen. Die Zahl der Baugenehmigungen sage aber nichts darüber aus, wie viele Wohnungen nach der Genehmigung tatsächlich gebaut würden. Fertiggestellt worden seien 2019 in Baden-Württemberg 38.835 Wohnungen. Im Jahr 2020 habe es mit 41.501 Wohnungen einen Anstieg um 6,8 Prozent gegeben. Allerdings werde der von der Landesregierung selbst angegebene Bedarf von 65.000 Wohnungen jährlich damit 2020 um 23.499 Wohnungen und damit um 36 Prozent verfehlt.

Baukonjunktur trübt sich ein
Angesichts rasant steigender Preise für Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmmaterial um teilweise mehr als 50 Prozent und Lieferengpässen im zweiten Quartal könne es zu weiteren Bauverzögerungen und zusätzlichen Kostensteigerungen kommen. So sei 2020 der Gesamtumsatz der Betriebe des Bauhauptgewerbes mit 14,4 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent gestiegen. Im Teilbereich Wohnungsbau verzeichnete das Gewerbe ein Wachstum um 14,7 Prozent. Allerdings habe sich die Konjunktur 2021 merklich eingetrübt. Die Umsätze gingen insgesamt um 8,4 Prozent und im Wohnungsbau um 10,8 Prozent zurück.

Trotz weiter steigender Preise bleibe die Nachfrage nach Immobilien bisher aber ungebrochen. Dies liege vor allem an Wohnimmobilien. In Baden-Württemberg lagen die Umsätze 2020 bei 45,1 Milliarden Euro was ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber 2019 bedeutet. Dies ist doppelt so hoch, wie im Bundesdurchschnitt. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Immobilienumsätze damit verdoppelt. Dazu tragen die weiterhin günstigen Zinsen und der Mangel an anderen Anlagen bei.

Lipka stellte den Wohnungswirtschaftlichen Konjunkturbericht 2020/2021 gemeinsam mit dessen Verfasser, Professor Dr. Dieter Rebitzer, vor. Professor Rebitzer ist Studiendekan an der Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen (HfWU) und ein Experte für Immobilienwirtschaft.

Weitere Informationen:
  • Gerald Lipka, Geschäftsführer BFW Landesverband Baden-Württemberg
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