MLP Studentenwohnreport 2026.
BAföG-Wohnkostenpauschale reicht fast nirgends: Die derzeit geltenden 380 Euro decken die kalkulierte Warmmiete der 30-Quadratmeter-Mus-terwohnung nur in Chemnitz vollständig.
München bleibt teuerster Standort: Die 30-Quadratmeter-Musterwoh-nung liegt dort bei rund 880 Euro monatlich, das Muster-WG-Zimmer bei rund 850 Euro. In der günstigsten Stadt Chemnitz werden dafür rund 280 beziehungsweise 220 Euro fällig.
Studentenwohnpreisindex: Die qualitätsbereinigten Mieten für studentisches Wohnen sind im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahres-zeitraum im Durchschnitt um 2,6 Prozent gestiegen. Über drei Jahre beträgt der Anstieg durchschnittlich 4,0 Prozent pro Jahr.
Kleine Wohnungen verteuern sich am stärksten: Das Segment der Wohnungen unter 40 Quadratmetern legte binnen eines Jahres um 3,5 Pro-zent zu. WG-Mieten erhöhten sich um 2,3 Prozent, möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent.
Die BAföG-Wohnkostenpauschale reicht für eine studentische Mus-terwohnung fast nirgends mehr aus: Mit den derzeit geltenden 380 Euro lässt sich die kalkulierte Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Wohnung aktuell ledig-lich in Chemnitz vollständig decken. Denn trotz der zuletzt etwas geringeren Dynamik steigen die Mieten für studentisches Wohnen ausgehend von einem bereits hohen Niveau weiter. Das zeigt der MLP Studentenwohnreport 2026, den MLP gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in diesem Jahr zum achten Mal vorlegt. Demnach lagen die qualitätsbereinigten Mieten im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Untersucht wurden kleine Wohnungen, WG-Zimmer und möblierte Wohnungen auf Zeit an 38 Hochschulstandorten in Deutschland.
„Die geringere Dynamik ist noch keine Trendwende. Bezahlbare kleine Woh-nungen bleiben in vielen Hochschulstädten knapp“, sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft. „Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie die daraus resultierenden rückläu-figen Fertigstellungen bremsen den dringend benötigten Ausbau des Ange-bots. Zusätzliche Regulierung sollte deshalb sorgfältig daraufhin geprüft wer-den, ob sie Investitionen und Vermietung ungewollt weiter erschwert.“
München bleibt mit Abstand Spitzenreiter – BAföG-Pauschale reicht nur in Chemnitz aus
Wie hoch die Mietkosten an den einzelnen Hochschulstandorten ausfallen und welch große regionale Unterschiede es hier gibt, zeigen die studentische Mus-terwohnung mit 30 Quadratmetern sowie ein hypothetisches WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern. Ausgewiesen sind jeweils kalkulierte Warmmieten. Am teu-ersten ist auch in diesem Jahr die Musterwohnung in München mit rund 880 Euro monatlich, gefolgt von Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Hei-delberg mit etwa 700 bis 720 Euro. Am günstigsten ist Chemnitz mit rund 280 Euro. Auch beim Muster-WG-Zimmer reicht die Spanne von rund 850 Euro in München bis rund 220 Euro in Chemnitz.
Mit der derzeit geltenden BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro lässt sich die Miete der studentischen 30-Quadratmeter-Musterwohnung lediglich in Chemnitz vollständig decken. Studierende mit eigener Haushaltsführung gaben 2025 laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich rund 54 Prozent ihres ver-fügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen aus, mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung. 65 Prozent galten nach Eurostat-Definition als wohn-kostenüberbelastet.
Studentenwohnpreisindex 2026: Wohnungsmarkt bleibt angespannt und regional fragmentiert
Kernstück des Reports ist der Studentenwohnpreisindex, der die qualitäts- und lagebereinigte Entwicklung öffentlich inserierter Neuvertragsmieten abbildet.
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Mieten im Durchschnitt um 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Kleine Wohnungen verteuerten sich mit 3,5 Prozent am stärksten, WG-Angebote stiegen um 2,3 Prozent und möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 Prozent. Über drei Jahre ergibt sich über alle drei Segmente hinweg eine durchschnittliche jährliche Steigerung um 4,0 Prozent.
Auch hier fällt die Entwicklung regional sehr unterschiedlich aus: Die höchsten Zuwächse in den letzten drei Jahren verzeichneten Hamburg und Saarbrücken mit jeweils 5,8 Prozent sowie Bochum mit 5,5 Prozent pro Jahr. Vereinzelte Rückgänge im vergangenen Jahr – unter anderem in den Metropolen Berlin, Frankfurt und Köln – sind vor dem Hintergrund des bereits hohen Preisniveaus, veränderter Angebotsstrukturen und kurzfristiger regionaler Sondereffekte ein-zuordnen. Punktuell gegenläufige Tendenzen ändern daher nichts am Gesamt-bild: Insbesondere auf Dreijahressicht bleibt studentisches Wohnen deutlich teurer als noch vor wenigen Jahren.
Mehr Inserate, aber zu wenig neuer Wohnraum
Bei der Entwicklung des Wohnangebots für Studierende zeigt sich 2026 ein ge-mischtes Bild. An knapp der Hälfte der untersuchten Hochschulstandorte ist das öffentlich sichtbare Angebot in den studentischen Wohnsegmenten gestiegen. Besonders deutlich legten die Angebote in Regensburg, Saarbrücken, Münster, Darmstadt und Bochum zu. Zugleich verzeichnen andere Standorte, darunter Dresden, Rostock sowie Metropolen wie Frankfurt, Berlin, Hamburg und Düssel-dorf, spürbare Rückgänge. Insgesamt haben vor allem WG-Angebote vielerorts zugenommen. Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass eine größere Zahl an Inseraten nicht automatisch mehr bezahlbaren oder leichter zugängli-chen Wohnraum bedeutet.
Erstmals untersucht der MLP Studentenwohnreport zudem die Bautätigkeit an den Hochschulstandorten. Zwar wird an nachfragestarken Hochschulstandor-ten weiterhin überdurchschnittlich viel gebaut, vielerorts reicht dies jedoch trotzdem nicht aus, um die bestehende Wohnraumknappheit abzubauen. Gleichzeitig hat die Bautätigkeit in den letzten Jahren an rund zwei Dritteln der untersuchten Standorte nachgelassen – mitunter auch deutlich. Die Folgen der seit 2022 eingebrochenen Baugenehmigungen werden somit zunehmend sichtbar. Es spricht vieles dafür, dass das Wohnungsangebot auch künftig nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.
Wohnraum für Studierende bleibt Standortfaktor für Hochschulstädte
Neben kleinen Wohnungen und WG-Zimmern gewinnen möblierte Wohnungen auf Zeit an Bedeutung, insbesondere bei kurzfristigem Wohnbedarf oder für Studierende, die beispielsweise aus dem Ausland neu an einen Hochschulstand-ort ziehen. Vorübergehende demografische Effekte wie die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium können die Nachfrage regional zeitweise abschwä-chen, ändern aber nichts an der strukturellen Wohnraumknappheit. Die dies-jährige Sonderauswertung zeigt zudem, dass nach einem vorübergehenden leichten Rückgang die Studierendenzahlen wieder weiter ansteigen und bis 2040 über dem heutigen Niveau liegen. Für viele Hochschulstandorte bedeutet dies, dass auch der Druck auf die Wohnungsmärkte perspektivisch wieder zu-nimmt. Mögliche Entlastungen dürften daher oftmals nur vorübergehender Na-tur sein. Die aktuelle Entwicklung stellt damit ein Zeitfenster zum Handeln dar.