Der Anteil möblierter und temporär vermieteter Wohnungsangebote in den Großstädten ist deutlich gestiegen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Politik fürchtet, dass dies vor allem zur Umgehung der Mietpreisbremse genutzt wird.
Doch die Zahlen bedürfen einer sorgfältigen Einordnung: Sowohl die wesentlichen Gründe für die zunehmende Bedeutung dieses Segments als auch statistische Effekte in angespannten Wohnungsmärkten sind zu berücksichtigen.
Nach Berechnungen von Krapp et. al. (2026) lag der Anteil möblierter und temporär vermieteter Wohnungen in den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern Ende 2024 bei mehr als 30 Prozent aller Wohnungsinserate. Im Jahr 2012 waren es dagegen lediglich rund 15 Prozent. Grundsätzlich gilt die Mietpreisbremse auch für möblierte Wohnungen, doch die Regeln für die Bestimmung eines Möblierungszuschlags in den Mietspiegeln ist nicht einheitlich und oft schwer nachvollziehbar. Für temporär vermietete Wohnungen gilt die Mietpreisbremse grundsätzlich nicht (Deutscher Bundestag, 2025). Vor diesem Hintergrund wird häufig davon ausgegangen, dass der Anstieg des Anteils dieses speziellen Wohnsegments primär auf eine Umgehung der Mietpreisbremse zurückzuführen ist. Das Bundesjustizmi-nisterium plant derzeit, die maximale Dauer temporärer Vermietungen auf 6 Monate zu begrenzen und den Zuschlag für eine Möblierung auf maximal 5 Prozent zu beschränken (ZDF, 2026)
Statistische Gründe für mehr Sondervermietung
Es greift aber zu kurz, nur auf den Anteilswert zu schauen, wie die Abbildung zeigt. Allein zwischen 2021 und 2025 ist die Zahl der Inserate für konventionelle Mietwohnungsangebote in den größten sieben Städten um 32.000 Wohnungen oder um 23 Prozent gesunken, die Zahl der möbliert vermieteten Wohnungen ist dagegen nur um rund 5.000 Wohnungen gestiegen, die Zahl der temporär vermieteten Angebote sogar leicht gesunken. Ursächlich für den Rückgang der konventionellen Mietwohnungsangebote dürften vor allem zwei Effekte sein: Erstens ziehen aufgrund der schwierigen Wohnungsmarktlage weniger Haushalte um, Falck et. al. (2025) haben zuletzt analysiert, dass zwischen 2010 und 2020 die Umzugsquote in den Großstädten von über 8,5 Prozent auf unter 7 Prozent gesunken ist. Zweitens ist es bekannt, dass Vermieter angesichts der angespannten Wohnungslage nicht auf Inserate angewiesen sind, die Schaltung von Inseraten die Vermieter wegen zahlreicher Nachfragen sogar überfordern können. Viele Vermieter hören sich daher eher im Bekanntenkreis um oder nutzen eigene Netzwerke für die Vermarktung (vgl. Voigtländer / Sagner, 2025).
Die geringe Bedeutung der Inserate kann auch folgende Überschlagsrechnung verdeutlichen: In den sieben größten Städten leben rund 10,3 Millionen Menschen. Geht man von einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,8 Personen und einer Mieterquote von etwa 75 Prozent aus, leben in diesen Städten rund 4,3 Millionen Mieterhaushalte. Bei einer Umzugsquote von 6,5 Prozent – also einem Umzug alle 15 Jahre – entspricht dies rund 280.000 freiwerdenden Wohnungen pro Jahr; inseriert wurden 2025 aber nur 108.000 Wohnungen.