Wirtschaft und Corona: Eis bleibt dünn

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgen nach wie vor für Sand im Getriebe der deutschen Wirtschaft. Nach neuesten Erhebungen von KfW Research ist die vierteljährlich erhobene KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand gestiegen. 21,7 % der rund 7.500 befragten Unternehmen bezeichnen das Verhalten der Banken in Kreditverhandlungen als restriktiv.

Politik und Wirtschaft werden weiterhin massiv vom Corona-Infektionsgeschehen bestimmt. Obwohl die Tiefstände des Frühjahrs mittlerweile überwunden sind, ist die deutsche Wirtschaft vom Vorkrisenniveau noch weit entfernt. Nicht förderlich sind dabei auch die unvorhersehbaren, regional sehr unterschiedlichen Infektionsentwicklungen nebst dann greifenden Gegenmaßnahmen, so wie sie gestern zwischen den Ländern und der Bundesregierung verabredet worden sind.

Trotz der restriktiveren Vergabepraxis beim Mittelstand gibt es aber auch Anlass zur Hoffnung. Der Kreditbedarf im 3. Quartal hat die durchschnittlichen Niveaus der Vergangenheit lediglich moderat übertroffen. Der Anteil von mittelständischen Unternehmen, die um Kredite ersuchen, ist dabei sogar rückläufig. Für große Unternehmen ist die Kreditvergabe ausweislich des Verhaltens der Banken derweil wieder leichter geworden ist. Nicht einmal 15 % der größeren Unternehmen bezeichneten die Banken bei Finanzierungsanfragen als zurückhaltend. Die größten finanziellen Schwierigkeiten dürften insofern derzeit nicht mehr bestehen.

In den einzelnen Branchen gab es naturgemäß unterschiedliche Entwicklungen. Während die Kredithürden im Bau- und Verarbeitenden Gewerbe sanken, stiegen sie für den Groß- und Einzelhandel.

Die Bundesbank geht derweil in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht davon aus, dass die Pandemie den Gewerbeimmobilienmarkt weiterhin beeinträchtigen und die Preisentwicklung dämpfen wird. Entsprechende Anzeichen seien in den gesunkenen Börsenkursen im Gewerbeimmobiliensektor, steigenden Unternehmensinsolvenzen und in der Abhängigkeit zwischen Büroimmobilien und Konjunkturzyklus zu sehen. Zusätzliche Unsicherheit dürften mögliche Auswirkungen des Homeoffice bringen.

Im Gegensatz zum Gewerbesektor sei der Wohnimmobilienmarkt mit Verweis auf „die hohe Widerstandskraft der privaten Haushalte in Deutschland und deren relativ geringe Verschuldung“ krisenresistenter hinsichtlich der „Wahrscheinlichkeit stark steigender Ausfallraten bei Wohnimmobilienkrediten“.

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