Wert der Vielfalt – Seniorenwohnen nach Maß

Alternative Wohnkonzepte für die Generation 65+ befinden sich im Aufwind. Ob Senioren-Residenz oder -Stift, Betreutes Wohnen oder Service-Wohnen, urbanes Wohnkonzept oder ambulant betreute Wohngruppe: Das Spektrum an Lebens- und Pflegeformen für ältere Menschen nimmt zu. Aber welche Formen und Leistungen verbergen sich exakt hinter welchen Begriffen?

Weder der Begriff „Alternative Wohnkonzepte“ noch der Begriff „Betreutes Wohnen“ sind gesetzlich geschützt. Deshalb haben sich inzwischen die unterschiedlichsten Bezeichnungen und Versorgungsformen entwickelt: „Betreutes Wohnen“, „Service-Wohnen“, „Wohnen Plus“, „Wohnen mit Pflege“, „Senioren-Wohnpark“ und viele mehr.

Und ebenso vielfältig wie die Namen gestalten sich auch die Leistungen. Beschränken sich die einen lediglich auf Beratungs- und Vermittlungsleistungen, bieten die anderen neben hohem Wohnkomfort auch ein breites Freizeit- und Sportangebot an. Wieder andere kombinieren Wohnangebote mit weitreichenden Pflegeleistungen. Einige stehen eher solitär, andere sind speziell auf eine Quartiersanbindung ausgerichtet.

Beispiel: Kombination von Tagespflege, ambulant betreuter Wohngruppe und Betreutem Wohnen

Ein Beispiel ist die Kombination von Tagespflege, ambulant betreuter Wohngruppe und Betreutem Wohnen für Menschen der Generation 65+: Dort erinnert auf den ersten Blick nichts ans Älterwerden. Die Einrichtungen drücken Stil, Komfort und Lebensqualität aus. Mit einem überraschend vielfältigen Angebot. Gewohnt wird z.B. in barrierefreien Bungalowhälften mit geräumiger Terrasse samt Stellplatz fürs Auto und kleinem Garten.

Gegenüber liegt vielleicht ein Bistro oder ein kleines Restaurant. Alternativ stehen Apartments des Betreuten Wohnens zur Verfügung. Im Erdgeschoss befindet sich eine Tagespflege und darüber eine ambulant betreute Wohngemeinschaft, vielleicht für Demenzkranke. Gleich in der Nähe bieten ein Friseur und ein Bäcker ihre Dienste an. Ein Ärztehaus und die nächste Haltestelle liegen um die Ecke.

Was man bei aller Wohn- und Freizeitqualität nicht sieht: Die Bewohner erhalten auf Wunsch Unterstützung im Alltag – und sofern nötig auch ambulante Pflege rund um die Uhr.

Diese neuen Wohnanlagen sind aber nur eine der vielen Facetten der „modernen Senioren-Wohnformen“. Hier ein Überblick über die am meisten verbreiteten Modelle:

Betreutes Wohnen

Die Wohnformen des Betreuten oder Service-Wohnens bieten barrierefreie Wohnungen, die durch unterschiedliche Servicedienste ergänzt werden. Dazu können Wäsche-, Hausmeister-, Notruf- und Reinigungsdienste ebenso gehören wie integrierte ambulante Pflegedienste. Manche Einrichtungen bieten zudem eine angegliederte Tagespflege bzw. andere Pflege- oder Betreuungsdienstleistungen an.

Es existiert eine große Bandbreite, die sich immer weiter ausdifferenziert. Insgesamt bilden die betreuten Wohnformen die bedeutendste Variante neben dem Pflegeheim und umfassen eine Vielzahl verschiedener Ausprägungen. Laut einer Analyse der Bank für Sozialwirtschaft bewegt sich ihre Zahl bundesweit in einem Korridor von 160.000 bis 340.000 Wohneinheiten, andere Statistiken gehen gar von 700.000 aus.

Senioren-Residenz oder Senioren-Stift

Eine luxuriösere Variante von betreuten Wohnanlagen sind die Senioren-Residenzen, oft auch Senioren-Stift genannt. Dies sind Einrichtungen, die eher an ein 4- bis 5-Sterne-Aparthotel erinnern als an ein Seniorenheim. Das Angebot dieser Häuser umfasst in aller Regel kleine, qualitativ hochwertig ausgestattete Apartments in bester Lage, außerdem elegant möblierte Aufenthaltsräume, eine Bibliothek, ein Schwimmbad und ein Restaurant. Auch das Unterhaltungs- und Fortbildungsangebot ist meist umfangreich: Vom kleinen Streichkonzert über die gemeinsame Wandergruppe bis hin zu hochkarätigen Vorträgen bleiben kaum Freizeitwünsche offen.

Auch die Pflegeleistungen bieten meist ein breites Spektrum an Dienstleistungen. Sie reichen von der ambulanten Pflege bis hin zur kleinen vollstationären, zur Residenz gehörenden Pflegeabteilung. In den Pensionspreisen sind in der Regel Miete und eine weitergehende Grundversorgung wie beispielsweise Mittagessen oder Wohnungsreinigung enthalten.

Ambulant betreute Wohnkonzepte

Die ambulant betreuten Konzepte existieren als eigenverantwortete oder anbieterverantwortete (trägergestützte) Form: Entweder gründen ältere Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf in Eigenregie eine Wohngemeinschaft. Oder die Senioren schließen sich einer speziellen betreuten Wohngemeinschaft für ältere Menschen an, die von einem Träger (häufig einem ambulanten Pflegedienst) organisiert wird. Die Bewohner verfügen i.d.R. über ein eigenes Zimmer mit Nasszelle, teilen aber mit den anderen die gemeinschaftlichen Räume, wie etwa das Wohn- und das Esszimmer, aber auch das Pflegebad.

Alle Bewohner werden so weit wie möglich an den täglichen Hausarbeiten beteiligt, um sozial eingebunden und aktiv zu bleiben. Begleitet werden betreute Senioren-WGs von Hauswirtschaftskräften, die Haushalt, Versorgung und Gruppenaktivitäten koordinieren. Zusätzlich erbringt ein ambulanter Pflegedienst die notwendigen pflegerischen Leistungen für die Bewohner je nach individuellem Bedarf. Eine spezielle Form bildet dabei die Demenz-Wohngemeinschaft.

Weitere Wohnformen

Neben den hier geschilderten Wohnformen existieren weitere Konzepte. Dazu zählen etwa Senioren-Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser – aber auch Hybride aus allen Wohnkonzepten in einem Komplex vereint. Vielfach gibt es keine exakten Grenzen zwischen den Konzepten und die Abgrenzung untereinander ist häufig schwierig. Allen gemein ist der Wunsch der Bewohner nach Individualität und Selbstbestimmung.

Fazit

Die Alternativen Wohnkonzepte für Senioren bieten die Chance auf eine klassische Win-win-Situation: Selbstbestimmung für Bewohner, Flexibilität für Betreiber, eine aussichtsreiche Asset-Klasse für Investoren und darüber hinaus eine wachsende Versorgungsstruktur für die Generation 65+.

Die neuen alternativen Wohn- und Betreuungskonzepte signalisieren einen echten Innovationsschub. Und sie rechnen sich, menschlich wie unternehmerisch. Weil ältere Menschen mit bedarfsgerechter Unterstützung länger autonom bleiben. Aber auch, weil Betreiber aufgrund geringerer rechtlicher Auflagen den Bedarf individueller und gleichzeitig gewinnbringend abdecken können. Und nicht zuletzt, weil sie Immobilieninvestoren die Chance bieten, jenseits strikter Baubestimmungen für Pflegeheime neue, altersgerechte Wohnungen und Versorgungsstrukturen zu finanzieren.

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