Kran vor Baustelle Geschosswohnungsbau

Voller Kurs auf bezahlbaren Neubau!

Auch wenn das neu erwachte öffentliche Leben etwas anderes vermuten lässt: Die Corona-Krise ist noch nicht durchgestanden – von den wirtschaftlichen Folgen ganz zu schweigen. Die vergangenen Monate haben gezeigt: Die Pandemie gleicht einer Stromschnelle, die nun alle Probleme, die in der Vergangenheit in der Immobilienbranche nicht gelöst wurden, massiv beschleunigt.

Das Thema „Bezahlbarer Neubau“ wurde zwar aus den Titelgeschichten der Tagespresse und aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt, die Situation auf den angespannten Wohnungsmärkten hat sich aber mitnichten verbessert. Im Gegenteil: Wir müssen damit rechnen, dass sich die „soziale Frage unserer Zeit“, wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum übereinstimmend eingeschätzt wird, durch die Corona-Folgen weiter verschärft.

Das zeigen zum einen die steigenden Kurzarbeiterzahlen und die wirtschaftlichen Prognosen. Diese schlagen sich zuerst in der negativen Bewertung neuer Projekte durch die Banken nieder. Der zweite Grund mag widersprüchlich klingen und nicht der gefühlten Einschätzung entsprechen, doch im europäischen und globalen Kontext wird deutlich: Deutschland ist verglichen mit anderen Ländern recht gut durch die Krise gekommen. Deshalb wird voraussichtlich sowohl die Zuwanderung als auch der Zuzug in die Städte zunehmen.

Damit die Immobilienunternehmen mehr Neubau schaffen können, müssen Prozesse und Verfahren jetzt vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden – und zwar auf allen förderalen Ebenen!

BFW-Präsident Andreas Ibel

Politik und Immobilienwirtschaft müssen deshalb nun gemeinsam vollen Kurs in Richtung „Mehr bezahlbaren Neubau für alle Menschen“ nehmen. Damit die Immobilienunternehmen ihren Beitrag dazu leisten kann, müssen Prozesse und Verfahren vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden – und zwar auf allen förderalen Ebenen!

Bereits beim Wohngipfel im Jahr 2018 hatten die Teilnehmer die Digitalisierung von Planungs- und Baugenehmigungsverfahren als dringliches Ziel ausgegeben. Dass es bei der Umsetzung in vielen Kommunen bei bloßer Theorie blieb, hat die Pandemie gezeigt. Auch beim Gesetzentwurf zur BauGB-Novelle, den das Bundesbauministerium im Juni vorgelegt hat, muss nachgebessert werden. Auch hier müssen Planungsverfahren beschleunigt und die Mobilisierung von Bauland erleichtert werden. Nur so können wir ausreichend bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen schaffen!

Vor allem aber geht es jetzt darum, noch zielgerichteter und differenzierter jene Menschen zu unterstützen, die besonders stark unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Starke Schultern müssen gerade in der Krise mehr tragen als schwache Schultern. Betroffen ist ganz besonders der Einzelhandel, die Gastronomie und der Tourismus, die wiederum das Erscheinungsbild und das Lebensgefühl vieler Städte und Kommunen prägen.

Hier ist noch stärkere Unterstützung notwendig – sonst drohen neben den wirtschaftlichen Auswirkungen auch negative Entwicklungen für unsere Innenstädte und unser gesellschaftliches und kulturelles Leben!

Die BID-Kolumne von BFW-Präsident Andreas Ibel erschien in der Juli/August-Ausgabe des Bundesbaublattes

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