VHV-Bauschadenbericht Hochbau 2019/20 veröffentlicht

Hohe bzw. ansteigende Schadenkosten trotz rückläufiger Schadenmeldungen sind das  Ergebnis des gerade erschienenen VHV-Bauschadenberichtes Hochbau 2019/20. Grundlage des Berichts ist eine umfangreiche Datenauswertung zu Baumängeln und Bauschäden im Bereich Hochbau. Die Ergebnisse vermitteln ein aktuelles Abbild der Planungs- und Bauqualität in Deutschland. Der Bericht enthält zudem Beiträge verschiedener am Planungs- und Bauprozess beteiligter Akteure, die sich mit der Qualitätsverbesserung und Bauschadenprävention befassen.

Insgesamt wurden in dem  Bericht drei Schwerpunkte betrachtet: Am Anfang steht ein Einblick in die „Theorie“ des Bauens. Zweiter Schwerpunkt ist die Analyse aktueller Schadendaten auf der Grundlage  umfangreicher Auswertungen. Ergänzt wird dies um beispielhafte Schadenfälle und deren Behebung sowie einen analytischen Blick auf die Situation in den Nachbarländern Frankreich und Österreich. Komplettiert wird der Bericht durch Ideen, Strategien und Konzepte zur Erhöhung der Bauqualität verschiedener Akteure der Bauwirtschaft. Belege für schlechte Planungs- und Bauqualität in Deutschland finden sich ausdrücklich nicht in dem Bericht. Der Fokus wurde bewusst darauf gelegt, wie qualitativ hochwertig gebaut werden kann und wie die – insgesamt gute – Bau- und Planungsqualität  in Deutschland noch weiter verbessert werden kann.

Bauschäden werden komplexer

Für den Bericht wurden sehr umfangreiche Schadendaten aus den Jahren 2013 bis 2017 ausgewertet. Die Analyse hat ergeben, dass es grundsätzlich zu komplexeren Bauschäden kommt. Das heißt, in der Regel sind gleich mehrere Bauteile betroffen.

Grund ist häufig die Komplexität des gesamten Bauwerks. „Die Komplexität im heutigen Planungs- und Bauprozess und die damit verbundenen  gestiegenen Anforderungen an das Planen und Bauen sind große Herausforderungen“, erläutert  Geschäftsführerin des Instituts für Bauforschung e.V. (IFB) und Autorin des VHV-Bauschadenberichtes Dipl.-Ing. Heike Böhmer.  Demgegenüber stehe ein  Fachkräftemangel sowie nicht selten mangelnde  Fachkräftekompetenz. Hier müsse die gesamte Branche – auch in Bezug auf Ausbildung und Studium – noch besser reagieren.  

Die Untersuchung zur Entwicklung der Bauschäden hat zum Teil unerwartete Ergebnisse geliefert. Die Gesamtschadenzahlen zeigen im Untersuchungszeitraum einen leichten Rückgang um rund 13 Prozent. In den Jahren 2015 bis 2017 bewegt sich die Anzahl der Schadenmeldungen auf gleichbleibendem Niveau.

Komplett entgegengesetzt verläuft dagegen die Entwicklung der anfallenden Schadenkosten, die eine insgesamt steigende Tendenz zeigen (nach einem leichten Rückgang im Jahr 2014 steigen sie nun konstant an und verzeichnen allein zwischen 2016 und 2017 einen Zuwachs von rund fünf Prozent).

Um zu verdeutlichen, auf welch hohem Niveau sich die anfallenden Schadenkosten derzeit bewegen, lohnt ein Blick auf die Auswertung der durchschnittlich pro Schadenfall und Jahr anfallenden Schadenkosten, die im letzten Jahr des Untersuchungszeitraums ihren jeweils aktuellen Höchststand von mehr als 9.000 Euro (Bereich Haftpflicht) bzw. rund 6.000 Euro (Bereich Technische Versicherungen) erreicht haben. Im Zusammenhang mit der Feststellung mutmaßlich abnehmender Schadenzahlen bedeutet dies, dass die Regulierung eines Bauschadens offenbar immer höhere Kosten verursacht.

Hinzu kommen grundsätzlich steigende Baukosten für Material, Lohn und Nebenkosten. Und nicht zuletzt werden in der Regel steigende Kosten für die Schadenbearbeitung/-regulierung durch Sachverständigen-, Anwalts- und Gerichtskosten verzeichnet. Dieser Trend ist schwer umkehrbar. Deshalb muss der Ansatz lauten, Schäden bereits im Vorfeld zu vermeiden, so Böhmer.

Sie ergänzt: „Der Bericht belegt, dass die Planungs- und Bauqualität in Deutschland – vor allem vor dem Hintergrund des riesigen Bauvolumens, das aktuell zu bewältigen ist – grundsätzlich gut ist. Bauschäden kommen vor, es wäre jedoch falsch, auf der Basis der ermittelten Schadendaten eine grundsätzlich schlechte Qualität abzuleiten. Der Bericht zeigt, dass das Potenzial für Verbesserung vorhanden ist. Dies macht die Analyse der Schadenkosten, -arten, -ursachen- und betroffenen Bauteile deutlich.“ Das gemeinsame Ziel aller am Bau Beteiligten müsse sein, diese Potenziale zur weiteren Verbesserung der Qualität beim Planen und Bauen zu nutzen.

Mängel sind vermeidbar

„Baufehler bzw. -Mängel  sind vielfach vermeidbar“, betont die Geschäftsführerin des Instituts für Bauforschung e.V. (IFB). Schlüsselworte für gute Qualität beim Planen und Bauen sind  Kompetenz, Verantwortung und Sorgfalt. „Wichtig sind zudem die klare Aufteilung von  Verantwortlichkeiten, detailliertes Wissen über Prozessabläufe sowie die technischen und logistischen Zusammenhänge.

Das  Hauptziel  sollte für alle am Bau Beteiligten die Herstellung von Bauwerken mit nachhaltiger Bauqualität sein. Dafür ist die  Nutzung aller Mittel und Wege zur Schadenvermeidung notwendig“, so Böhmer. „Jeder durch präventive Maßnahmen verhinderte Schadenfall oder im Rahmen von Qualitätskontrollen frühzeitig entdeckte Mangel dient der Reduzierung der Schadenzahlen und -kosten“, ergänzt die Autorin.  So habe jeder an Planung und Bau Beteiligte die Pflicht und Verantwortung, aber auch die Chance und Möglichkeit, dies durch sein eigenes Handeln zu unterstützen, so Böhmer.

Zielführend kann in diesem Zusammenhang  eine konstruktive Diskussion im Rahmen der „Leistungsphase Null“ zur Definition der Anforderungen und Ziele des Bauvorhabens, auch vor dem Hintergrund der Suffizienz, sein. Konkrete Hilfen können die  Anwendung moderner Technik bzw. technischer Hilfsmittel (z.B. die durchgehende Nutzung von 3D-Modellen als Kommunikationsmedium über den gesamten Planungs-, Bau- und Nutzungsprozess) sein. Hinzu kommt die Weiterentwicklung des Bauablaufs, etwa  durch transparente, schlanke (Management-) Prozesse, die die Motivation und Eigenverantwortung der Beteiligten stärken.

Wichtig sei zudem  ein verändertes Kommunikationsverhalten der Baubeteiligten untereinander, z.B. in der frühzeitigen Zusammenarbeit aller Planungs- und Baubeteiligten, erläutert die IFB-Geschäftsführerin. Weitere „Bausteine“ für gute Planungs- und Bauqualität sieht Böhmer zudem in der Planung und Errichtung robuster und nachhaltiger Bauwerke, die nutzerfreundlich und weniger mangel- und schadenanfällig sind – hier müsse sich  ein „neues Verständnis für den Wert und Nutzen von Daten, z.B. von Bauteildaten aus der Planung bis in die Nutzung hinein“ sowie eine auskömmliche Honorierung bzw. Bezahlung fachgerechter Leistungen und die Vermittlung des Wertes, der „dahinter“ steckt, entwickeln.

Fazit und Ausblick

Gemeinsame Ziele aller am Bau Beteiligten müssen also eine  bessere Zusammenarbeit, die Erhöhung der Fach- und Sozialkompetenz,  klare Verantwortlichkeiten, die Verbesserung der technischen, logistischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten , die Erhöhung der Transparenz sowie eine bessere Kommunikation in allen Planungs- und Bauprozessen sein. Kurz: Erhöhung der Bauqualität durch nachhaltige Planungs- und Bauprozesse.

Der VHV-Bauschadenbericht Hochbau 2019/20 ist als E-Book  erhältlich unter  https://www.vhv-bauexperten.de/vhv-bauforschung.

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