Die deutsche Wirtschaft wächst wieder: Die Chefvolkswirte der privaten Banken erwarten für Deutschland 2026 ein Wachstum von 1,2 Prozent. Auch 2027 dürfte die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent zulegen. Im Euroraum rechnen sie mit einem Wachstum von 0,9 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im kommenden Jahr. Getragen wird die Konjunktur vor allem von höheren Investitionen und einer stärkeren Inlandsnachfrage.
„Jetzt kommt es darauf an, den positiven Trend mit verlässlichen Rahmenbedingungen und konsequenten Reformen dauerhaft zu stärken. Sonst bleibt der Aufschwung fragil“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, zur Herbstprognose der privaten Banken.
„Die wirtschaftliche Erholung ist kein Selbstläufer. Hohe Energiepreise, gestiegene Kapitalmarktzinsen und anhaltende geopolitische Unsicherheiten belasten Wirtschaft und Verbraucher weiter. Entscheidend ist, dass Unternehmen wieder stärker investieren“, so Heiner Herkenhoff.
Der Bankenverband appelliert daher an die Bundesregierung, ihren Reformkurs konsequent fortzusetzen. „Deutschland hat in den vergangenen Jahren zu lange im Stillstand verharrt. Reformen sind kein Selbstzweck. Sie ermöglichen Wachstum, Investitionen und Wohlstand. Dafür braucht Deutschland wirtschaftspolitische Verlässlichkeit und Tempo.“
Gerade in einer Phase, in der Investitionen wieder an Fahrt gewinnen sollen, darf die Finanzierung der Wirtschaft nicht zusätzlich belastet werden. Mit Sorge blicken die privaten Banken auf die Diskussion über eine Anhebung der seit 2023 unverzinsten Mindestreserve durch die Europäische Zentralbank (EZB). Eine Verdoppelung des Mindestreservesatzes würde die Banken im Euroraum jedes Jahr rund 4,4 Milliarden Euro kosten. Davon entfielen knapp 1,2 Milliarden Euro allein auf Deutschland.
„Eine höhere unverzinste Mindestreserve belastet die Banken zusätzlich und schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzstandorts. Wenn die EZB den Mindestreservesatz anhebt, muss sie die Einlagen wieder verzinsen“, so Heiner Herkenhoff.