ifo Dresden Konjunkturprognose: Fiskalmaßnahmen wirken im Osten schwächer als in den westdeutschen Bundesländern.
Die ostdeutsche Wirtschaft erholt sich allmählich und dürfte ihren konjunkturellen Tiefpunkt hinter sich gelassen haben. Im Jahr 2025 wird die Wirtschaftsleistung in Ostdeutschland nach Einschätzung des ifo Instituts um 0,3% zulegen und damit in ähnlichem Maße wie in Deutschland insgesamt. In Sachsen zeigt sich ebenfalls eine positive Trendwende bei der wirtschaftlichen Aktivität. Jedoch dürfte die sächsische Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 wohl nur stagnieren. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaft in Ostdeutschland trotz der globalen Risiken einen recht kräftigen Schub aufgrund der geplanten Fiskalmaßnahmen der neuen Bundesregierung erfahren. „Die Rüstungsindustrie hat jedoch ein geringeres Gewicht in Ostdeutschland, so dass ein Großteil der geplanten Rüstungsausgaben vornehmlich in den westdeutschen Bundesländern zu Buche schlagen dürfte“, sagt Joachim Ragnitz von der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts. Robert Lehmann vom ifo Institut München ergänzt: „Positiv werden sich die geplanten Infrastrukturausgaben auswirken. Angesichts des enormen Planungsvorlaufs und dem Mangel an Arbeitskräften wird die ostdeutsche Wirtschaft hiervon kurzfristig aber nur wenig profitieren.“
Die geplanten Fiskalmaßnahmen dürften im kommenden Jahr vor allem das Baugewerbe, aber auch die konjunkturelle Dynamik der Dienstleister anschieben. Während die zu erwartenden Einkommenssteigerungen zu einer Ausweitung der Tätigkeit der konsumnahen Dienstleister führen, profitieren die öffentlichen Dienstleister von der kräftigen Ausweitung des Staatskonsums. In Ostdeutschland dürfte dies vor allem der wirtschaftlichen Aktivität Berlins zugutekommen. Die Industrie dürfte sich in beiden Landesteilen im Verlauf des Prognosezeitraums langsam erholen. Jedoch ist in diesem Wirtschaftsbereich nicht mehr als eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu erwarten; der jüngste Anstieg des Ölpreises im Zuge des Konflikts zwischen Israel und dem Iran birgt ein erhebliches Risiko und könnte diese Entwicklung jedoch stark gefährden. Insgesamt dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland im kommenden Jahr um 1,3% zulegen; für Sachsen erwartet das ifo Institut einen Zuwachs von 1,2%.
Auf dem Arbeitsmarkt wird die wirtschaftliche Schwächephase nachwirken. Sowohl in Sachsen als auch in Ostdeutschland insgesamt dürfte die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr sinken. Im kommenden Jahr dürften die bremsenden Einflüsse des demografischen Wandels weiter zunehmen und erneut zu einem leichten Rückgang der Erwerbstätigkeit in Sachsen führen. Für Ostdeutschland insgesamt dürfte die positive Entwicklung in Berlin das Gesamtbild dominieren und die Erwerbstätigkeit um 0,2% ausgeweitet werden.