ifo Konjunkturprognose Sommer 2026: Energiepreisanstieg bremst – Finanzpolitik schiebt

Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat im Winterhalbjahr an Fahrt gewonnen. Das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg von 0,2% im vierten Quartal 2025 auf 0,3% im ersten Quartal 2026. Neben der expansiven Finanzpolitik gewann auch die Exportwirtschaft an Dynamik, insbesondere durch höhere Ausfuhren in die EU. Der private Konsum entwickelte sich zu Jahresbeginn dagegen schwächer.

Deutsche Konjunktur

Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben einen globalen Energiepreisschock ausgelöst. Die gestiegene Inflation schmälert die Kaufkraft der Haushalte und dämpft die Konsumausgaben. Gleichzeitig haben sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtert und Materialengpässe in Industrie und Bau wieder verstärkt.

Die bereits für das zweite Quartal vorliegenden Indikatoren zeigen ein gemischtes Bild. Während Stimmungsindikatoren auf eine deutliche Abschwächung hindeuten, zeigen Produktions-, Umsatz- und Auftragsdaten bislang nur begrenzte Auswirkungen des Energiepreisschocks. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung im laufenden Quartal stagnieren.

Mit dem Nachlassen der Belastungen in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die Erholung ab dem dritten Quartal fortsetzen und bis zum Ende des Prognosezeitraums allmählich beschleunigen. Insgesamt wird das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in den Jahren 2026 und 2027 jeweils um 0,8% zunehmen.

Der Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass sich der Konflikt in den kommenden Wochen entschärft und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Die Energiepreise dürften anschließend schrittweise zurückgehen, jedoch bis zum Ende des Prognosezeitraums über dem Vorkriegsniveau bleiben. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass der Energiepreisschock das Wachstum in diesem und im kommenden Jahr jeweils um 0,4 Prozentpunkte dämpft.

Die Inflationsrate dürfte in diesem und im kommenden Jahr bei 2,9% beziehungsweise 2,7% liegen. Die Kerninflation steigt von 2,4% in diesem auf 2,7% im kommenden Jahr.

Finanzpolitik

Die Finanzpolitik liefert im gesamten Prognosezeitraum deutliche Impulse. Zusätzliche staatliche Ausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung erhöhen die öffentlichen Konsum- und Investitionsausgaben.

Für 2026 und 2027 werden expansive fiskalische Impulse in Höhe von 0,9% beziehungsweise 0,5% der Wirtschaftsleistung erwartet. Der fiskalische Schub trägt in beiden Jahren mit jeweils 0,5 Prozentpunkten zum Anstieg des Bruttoinlandsprodukts bei. Gleichzeitig steigen die Finanzierungsdefizite des Staates von 2,8% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 4,1% beziehungsweise 4,9%. Der Bruttoschuldenstand dürfte bis 2027 auf 68,1% der Wirtschaftsleistung zunehmen.

Arbeitsmarkt

Die Erholung am Arbeitsmarkt wird erst mit Verzögerung sichtbar werden. Im Jahresdurchschnitt 2026 dürfte die Zahl der Erwerbstätigen um 140 000 sinken und 2027 um 63 000 zunehmen. Die Zahl der Arbeitslosen wird im laufenden Jahr voraussichtlich um 31 000 steigen und im kommenden Jahr um 123 000 zurückgehen. Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 bei 6,3% liegen und 2027 auf 6,1% sinken.

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