ifo Konjunkturprognose Herbst 2026: Erholungskräfte gewinnen Oberhand

Die Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort. Nach einem starken Jahresbeginn hat die Dynamik im zweiten Quartal zwar etwas nachgelassen. Die infolge des Iran-Krieges kräftig gestiegenen Energiepreise ließen die Inflation steigen und belasteten die konsumnahen Dienstleistungsbereiche. Die expansive Finanzpolitik in Deutschland und zunehmende Impulse aus dem Ausland verhinderten jedoch stärkere Bremsspuren durch den Energiepreisschock. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt wird im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,4%, im kommenden Jahr um 1,2% und im Jahr 2028 um 0,8% zunehmen. Im Vergleich zur ifo Konjunkturprognose Sommer 2026 wurde die Wachstumsrate für das laufende Jahr um 0,6 Prozentpunkte und für das kommende Jahr um 0,4 Prozentpunkte angehoben.

Lage der deutschen Wirtschaft

Die Erholung der deutschen Wirtschaft setzte sich im Sommer 2026 fort. Die expansive Finanzpolitik in Deutschland und zunehmende Impulse aus dem Ausland verhinderten stärkere Bremsspuren durch den Energiepreisschock. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und bei unternehmensnahen Dienstleistern konnte die Wertschöpfung zulegen.

Seit Juli sind jedoch neue konjunkturelle Störfeuer hinzugekommen. Nach dem Ende der Waffenruhe im Iran-Krieg stiegen die Energiepreise erneut kräftig. Gleichzeitig erreichten die Flüsse in Deutschland Rekordniedrigstände, was in besonders von Wasserstraßen abhängigen Wirtschaftszweigen zu Produktionsbehinderungen führen dürfte.

Prognose der deutschen Wirtschaft

Ungeachtet der erneuten Störfeuer hat sich die Stimmung in Deutschland in den vergangenen Monaten spürbar aufgehellt. Insbesondere in der Industrie zeigen sich Lichtblicke: Die Auftragslage hat sich seit Jahresbeginn kontinuierlich verbessert und die Exporterwartungen haben zuletzt deutlich zugelegt. Vor dem Hintergrund einer robusten Weltkonjunktur dürften die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe und die Ausfuhren auch im weiteren Prognosezeitraum zur konjunkturellen Erholung beitragen.

Die expansive Finanzpolitik wird die Konjunktur im gesamten Prognosezeitraum anschieben. Staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung erhöhen die öffentlichen Konsum- und Investitionsausgaben. Im laufenden Jahr summieren sich die finanzpolitischen Impulse auf knapp 40 Milliarden Euro. In den kommenden beiden Jahren dürften sie bei 27 beziehungsweise 18 Milliarden Euro liegen.

Arbeitsmarkt

Die gesamtwirtschaftliche Erholung wird sich am Arbeitsmarkt voraussichtlich erst mit Verzögerung ab dem kommenden Jahr bemerkbar machen. Im Jahresdurchschnitt 2026 dürfte die Zahl der Erwerbstätigen nochmals sinken und erst in den Jahren 2027 und 2028 wieder zunehmen. Die Arbeitslosenquote wird im Durchschnitt des laufenden Jahres voraussichtlich bei 6,3% liegen und bis 2028 auf 5,4% zurückgehen.

Die demografisch bedingte Verknappung des Arbeitskräfteangebots und der geringe Anstieg der Arbeitsproduktivität schwächen das Potenzialwachstum. Die aus der aktuellen Unterauslastung resultierenden Expansionsspielräume dürften bereits Mitte des Jahres 2027 ausgeschöpft sein.

Inflation

Die Konsumkonjunktur dürfte zunächst gedämpft bleiben. Aufgrund der hohen Inflation nimmt die Kaufkraft der privaten Haushalte im Prognosezeitraum nur wenig zu. Höhere Abgabensätze zu den beiden Jahreswechseln belasten zusätzlich.

Die Inflationsrate wird in diesem und im kommenden Jahr voraussichtlich bei 2,8% beziehungsweise 3,0% liegen und sich erst im Jahr 2028 mit 2,3% allmählich in Richtung des Zielwerts der Europäischen Zentralbank bewegen.

Staatsfinanzen

Der expansive Kurs der Finanzpolitik lässt die Finanzierungsdefizite des Staates in diesem und den kommenden beiden Jahren ansteigen. Das Finanzierungsdefizit dürfte von 3,0% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 4,6% im Jahr 2028 steigen. Im selben Zeitraum wird der Bruttoschuldenstand voraussichtlich von 62,7% auf 67,9% der Wirtschaftsleistung zunehmen.

Risiken

Ein hohes Risiko geht vom weiteren Verlauf der Energiepreise aus. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verschärfen, könnten die Weltmarktpreise für Energie weiter steigen. Das Risiko von Lieferengpässen und einer Gasmangellage würde zunehmen, die Produktion könnte beeinträchtigt werden und der Inflationsdruck steigen. Umgekehrt könnten die Energiepreise schneller zurückgehen als angenommen, wenn es zu einem Abkommen zwischen dem Iran und den USA käme.

Auch über weitere wirtschaftspolitische Weichenstellungen in Deutschland besteht Unsicherheit. Die Prognose könnte besser ausfallen, wenn zusätzlich potenzialstärkende Reformen eingeleitet würden. Andererseits könnte der Konsolidierungsdruck im Prognosezeitraum zunehmen. Beitragsanhebungen oder Ausgabenkürzungen, die über die getroffenen Annahmen hinausgehen, würden den Fiskalimpuls reduzieren und die Konjunktur kurzfristig belasten.

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