Wie gut sind Deutschlands Großstädte für Wirtschaft, Arbeit und Leben aufgestellt – und welche entwickeln sich besonders stark? IW Consult hat im Auftrag von WirtschaftsWoche und ImmoScout24 71 Großstädte anhand von mehr als 100 Indikatoren untersucht.
Wie gut sind Deutschlands Großstädte für Wirtschaft, Arbeit und Leben aufgestellt – und welche entwickeln sich besonders stark? IW Consult hat im Auftrag von WirtschaftsWoche und ImmoScout24 71 Großstädte anhand von mehr als 100 Indikatoren untersucht. Frankfurt am Main schafft 2026 den Sprung an die Spitze des Dynamikrankings und erreicht zugleich Platz 2 im Niveauranking. München bleibt der stärkste Standort Deutschlands, und führt auch den neu geschaffenen KI-Index an.
München bietet das stärkste Gesamtpaket: Die Stadt überzeugt bei Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und Lebensqualität – vor Frankfurt und Stuttgart.
Frankfurt entwickelt sich wirtschaftlich besonders dynamisch: Die Stadt punktet vor allem mit einer starken Entwicklung in Wirtschaft und Arbeitsmarkt.
KI-Kompetenz ist keine Frage der Stadtgröße: München führt den KI-Index an. Mit Erlangen und Karlsruhe folgen zwei deutlich kleinere Großstädte auf den nächsten Plätzen.
Bochum und Kiel holen langfristig am stärksten auf: Beide Städte verbessern sich im Zehnjahresvergleich um elf Plätze. Bochum zeigt insbesondere bei Arbeitsmarkt und Immobilienmarkt eine starke Entwicklung.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) hat im Auftrag von WirtschaftsWoche und ImmoScout24 die 71 deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verglichen. Das Städteranking bewertet die Städte in den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt und Lebensqualität (Niveauranking) sowie deren Entwicklung der letzten fünf Jahre (Dynamikranking). Ein ergänzender KI-Index untersucht, wie stark die regionalen Ökosysteme für Künstliche Intelligenz aufgestellt sind.
„Das Städteranking zeigt, dass Standortqualität aus mehreren Faktoren entsteht. München überzeugt erneut mit einem starken Gesamtpaket. Frankfurt verbindet wirtschaftliche Stärke mit einer außergewöhnlichen Entwicklungsdynamik. Und Bochum zeigt, dass sich erfolgreicher Strukturwandel über viele Jahre hinweg messbar entwickeln kann“, sagt Dr. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von ImmoScout24. „Für Menschen, die einen Wohn- und Arbeitsort suchen, sind solche Entwicklungen eine wichtige Orientierung.“
Niveauranking: München bleibt stärkste Großstadt
München steht erneut an der Spitze des Niveaurankings. Die Stadt erreicht in allen vier untersuchten Bereichen hohe Platzierungen: Beim Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und bei der Lebensqualität belegt München jeweils Rang 1, im Bereich Wirtschaft Rang 2.
Auf den weiteren Plätzen folgen Frankfurt am Main, Stuttgart, Ingolstadt und Erlangen. Besonders Frankfurt verbessert sich und steigt von Rang 4 auf Rang 2.
Der Spitzenplatz Münchens zeigt zugleich die Herausforderungen erfolgreicher Standorte. Wohnraum zur Miete und zum Kauf ist in keiner anderen untersuchten Großstadt teurer. Auch beim Verkehr zeigen sich Schwächen: In kaum einer anderen untersuchten Großstadt verliert man durch Staus so viel Zeit.
Am unteren Ende des Niveaurankings stehen Oberhausen, Herne, Duisburg, Bremerhaven und Gelsenkirchen. Insbesondere bei Arbeitsmarkt und Lebensqualität zeigen sich dort weiterhin strukturelle Herausforderungen.
Frankfurt erreicht bestes Ergebnis seiner Rankinggeschichte
Frankfurt am Main übernimmt erstmals Platz 1 im Dynamikranking und erreicht damit das beste Ergebnis seiner bisherigen Rankinggeschichte. Das Dynamikranking betrachtet, wie sich die Städte in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben.
Frankfurt zeigt insbesondere in Wirtschaft und Arbeitsmarkt eine starke Entwicklung. Im Teilbereich Wirtschaft erreicht die Stadt Rang 1, beim Arbeitsmarkt Rang 3. Zugleich gehört Frankfurt mit Platz 2 im Niveauranking bereits heute zu den wirtschaftlich stärksten Großstädten Deutschlands.
Auf den weiteren Plätzen des Dynamikrankings folgen Düsseldorf, Berlin, München und Offenbach am Main. Düsseldorf erzielt besonders in Wirtschaft und Arbeitsmarkt starke Werte. Berlin erreicht im Immobilienmarkt Rang 2, Offenbach entwickelt sich insbesondere in Wirtschaft und Lebensqualität dynamisch. Die größten Sprünge gegenüber dem Vorjahr machen Trier mit 26 gewonnenen Plätzen, Fürth mit 19 und Karlsruhe mit 18 Plätzen.
Am unteren Ende des Dynamikrankings stehen Braunschweig, Ludwigshafen am Rhein, Salzgitter, Chemnitz und Wolfsburg.
KI-Index: München führt – auch kleinere Großstädte überzeugen
München verfügt über das stärkste KI-Ökosystem unter den 71 untersuchten deutschen Großstädten. Die bayerische Landeshauptstadt führt den ergänzenden KI-Index an und erreicht sowohl bei der KI-Startup-Dichte als auch bei Stellenausschreibungen mit KI-Bezug den Spitzenplatz. Auch bei Digitalisierungs-Patentanmeldungen und dem Anteil digitaler Vorreiterunternehmen schneidet München besonders gut ab.
Auf den Plätzen 2 und 3 folgen mit Erlangen und Karlsruhe zwei deutlich kleinere Großstädte. Erlangen zeigt, dass auch kleinere Großstädte bei Künstlicher Intelligenz eine führende Rolle spielen können. Die rund 116.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Stadt erreicht bei den Digitalisierungs-Patentanmeldungen mit großem Abstand den Spitzenplatz, nicht zuletzt aufgrund der Verbindung von KI und medizinischer Forschung. Karlsruhe erreicht bei der KI-Startup-Dichte Rang 2 und bei den Stellenausschreibungen mit KI-Bezug Rang 3. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Digital Hub angewandte Künstliche Intelligenz Karlsruhe bilden wichtige Grundlagen für Forschung, Unternehmensgründungen und den Wissenstransfer in die Wirtschaft.
Auf den weiteren Plätzen folgen Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt am Main, Darmstadt, Berlin, Düsseldorf und Bonn. Mit Heidelberg, Darmstadt und Bonn gehören weitere kleinere Großstädte zur Spitzengruppe. Die Ergebnisse zeigen: Entscheidend für ein starkes KI-Ökosystem ist nicht allein die Größe einer Stadt, sondern das Zusammenspiel von Forschung, Unternehmen, Gründungen und Fachkräften.
„München ist nicht nur Spitzenreiter im Städteranking, sondern auch der unangefochtene Standort für Künstliche Intelligenz: Im KI-Index liegt die bayerische Landeshauptstadt mit großem Abstand vor allen anderen Großstädten. Dass OpenAI und Anthropic ihre deutschen Niederlassungen in München aufgebaut haben, ist kein Zufall: Es spiegelt ein leistungsstarkes Ökosystem aus Forschung, Gründern und Fachkräften wider. Für andere Städte ist KI aber auch eine Chance, über gezielte Investitionen in Infrastruktur, Fachkräfte und Wissenstransfer aufzuholen“, sagt Hanno Kempermann, Geschäftsführer der IW Consult.
Langfristiger Aufsteiger: Bochum zeigt erfolgreichen Strukturwandel
Neben der aktuellen Platzierung zeigt das Städteranking auch, welche Städte sich über einen längeren Zeitraum verändert haben. Bochum und Kiel sind die größten Gewinner im Zehnjahresvergleich des Niveaurankings: Beide verbessern sich seit 2016 um jeweils elf Plätze.
Bochum steigt im Niveauranking von Rang 58 auf Rang 47. Gleichzeitig gehört die Stadt mit Platz 8 im aktuellen Dynamikranking zu den zehn dynamischsten Großstädten Deutschlands. Besonders positiv entwickelt sich Bochum beim Arbeitsmarkt und Immobilienmarkt.
„Bochum zeigt, dass ein klarer Fokus auf Bildung und Innovation den Strukturwandel im Ruhrgebiet beschleunigen kann“, sagt Maja Brankovic, stellvertretende Chefredakteurin der WirtschaftsWoche.
Die Entwicklung steht exemplarisch für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Mit dem Innovationsquartier Mark 51°7 entsteht auf dem früheren Opel-Gelände ein neuer Standort für Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups. Damit entwickelt sich Bochum zunehmend von einem durch klassische Industrie geprägten Standort hin zu einer breiter aufgestellten Wirtschafts- und Forschungsstadt.
Der Zehnjahresvergleich zeigt allerdings auch, dass sich das Ruhrgebiet nicht einheitlich entwickelt. Während sich Bochum deutlich verbessert und auch Dortmund und Hamm Plätze gewinnen, stagnieren andere Städte oder fallen zurück.
Weitere große Gewinner seit 2016 sind Halle (Saale), Münster und Lübeck mit jeweils zehn gewonnenen Plätzen. Die größten Rückgänge im Niveauranking verzeichnen Mannheim und Jena mit jeweils 14 verlorenen Plätzen sowie Ludwigshafen am Rhein mit einem Minus von 13 Plätzen.