DIN-Strategiekreis: BFW bringt Interessen der Immobilienpraxis ein

Mit der Gründung des Strategiekreises FOCUS.bauen hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) eine neue Plattform geschaffen, um die Baunormung in Deutschland strategisch weiterzuentwickeln. Der BFW ist im Strategiekreis vertreten und bringt die Perspektive der mittelständischen Immobilienwirtschaft aktiv ein. Ziel ist es, die Normung stärker an den Anforderungen der Baupraxis auszurichten und insbesondere die Baukostensenkung als zentrales Leitmotiv noch stärker zu verankern.

Der Kreis tritt die Nachfolge des bisherigen Sonderpräsidialausschusses Bauwerke (SPB) an und ist direkt der Leitungsebene von DIN zugeordnet.

Der Strategiekreis begleitet die Normungsprozesse entlang des gesamten Lebenszyklus von Bauwerken – vom Planen über das Bauen bis hin zum Rückbau – und soll den Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Industrie stärken.

Bitte um Hinweise aus der Praxis

Um die Arbeit des Strategiekreises FOCUS.bauen wirkungsvoll mitzugestalten, bitten wir BFW- Mitglieder um konkrete Hinweise aus der Baupraxis. Insbesondere freuen wir uns über Rückmeldungen zu Problemen mit technischen Baubestimmungen und Regelungen, die das bezahlbare Bauen erschweren. Diese Hinweise fließen direkt in unsere fachliche Arbeit im Strategiekreis ein und helfen dabei, die Normung praxisgerechter, wirtschaftlicher und investitionsfreundlicher zu gestalten.

Bitte senden Sie Ihre Hinweise an franco.hoefling@bfw-bund.de

Thematische Schwerpunkte aus Sicht des BFW

Laufende Aktualisierung der Normungsroadmap Bauwerke
Die Roadmap soll aus Sicht des BFW künftig noch stärker auf einfachere und kostengünstige Normen ausgerichtet werden, die das Bauen erleichtern statt es zu verkomplizieren. Der BFW setzt sich dafür ein, dass Normen nicht zum Einfallstor für kostenintensive Produktstandards werden, sondern zur Vereinfachung und Effizienzsteigerung beitragen.

Leistungsstufen in der Normung
Die Einführung von Leistungsstufen soll eine klare Trennung ermöglichen zwischen Grundanforderungen, die für Sicherheit und Funktionalität notwendig sind, und Ausstattungsmerkmalen, die Komfort oder Zusatznutzen bieten. Diese Differenzierung ist entscheidend, um unnötige Kostensteigerungen zu vermeiden und die Wahlfreiheit für Bauherren zu erhalten.

Praxisgerechte Umsetzung des DIN-Ländervertrags
Normen sollen nur dann als technische Baubestimmungen in die Landesbauordnungen eingeführt werden, wenn sie nicht zu unverhältnismäßigen Baukostensteigerungen führen. Der BFW fordert eine konsequente Aufwand-Nutzen-Analyse, die sicherstellt, dass zusätzliche Anforderungen durch einen realen Sicherheitsgewinn gerechtfertigt sind.

Stärkung der Freiwilligkeit von Normen
Normen müssen ihren empfehlenden Charakter klar kommunizieren. Die faktische Verpflichtung durch die bauvertragliche Praxis konterkariert die Freiwilligkeit und muss kritisch hinterfragt werden. Der BFW setzt sich dafür ein, dass Normen nicht über Bauverträge in den Markt gedrückt werden, sondern auf nachvollziehbarem Praxisbezug beruhen.

Hintergrund und Anmerkungen

Der intensive Dialog mit dem DIN ist von großer Relevanz für die Immobilienwirtschaft und das bezahlbare Bauen. Insbesondere die Unterstützung des DIN für die Vorschläge des BFW zum Gebäudetyp E ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch klar ist auch: Normen dienen längst nicht nur dem Gemeinwohl. In den Ausschüssen dominieren Industrieinteressen. Produktmarketing durch Normung ist Geschäftsmodell. Die Folge: ein Riesentanker, der mit immer neuen Ausschüssen auf Kurs gehalten wird – und viel zu oft bezahlbares Bauen verteuert. Besonders kritisch ist die sogenannte Vermutungswirkung von DIN-Normen und anderen technischen Regelwerken. Obwohl formal freiwillig, gelten sie durch die Rechtsprechung als allgemein anerkannte Regeln der Technik – und werden damit faktisch haftungsrelevant und über Bauverträge in den Markt gedrückt, oft ohne ausreichenden Praxisbezug. Dieser Automatismus konterkariert die Freiwilligkeit von Normen und muss durchbrochen werden.

Der BFW setzt sich im Strategiekreis FOCUS.bauen konsequent dafür ein, dass Technologie- und Materialoffenheit gewahrt bleibt, Ausschüsse transparent besetzt sind und Normen nur dann verabschiedet werden, wenn sie nachweislich zur Kostenbegrenzung und zum bezahlbaren Bauen beitragen. Die Folgekosten müssen konsequent in den Fokus rücken.

Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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