Herbstprognose Kiel Institut.
Die deutsche Wirtschaft erholt sich schrittweise: Die Konjunktur hat sich zuletzt erkennbar beschleunigt, und die Unternehmen blicken trotz geopolitischem Gegenwind wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Das zeigt die aktuelle Herbstprognose des Kiel Instituts. Die Prognose für das Bruttoinlandsprodukt wird im laufenden Jahr deutlich um 0,5 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent angehoben. Für 2027 werden unverändert 1,0 Prozent erwartet, für 2028 nur noch 0,5 Prozent. Die Konjunktur hat ihre Talsohle zwar durchschritten – die Erholung bleibt jedoch fragil.
Die deutsche Wirtschaft wächst im Herbst nur zaghaft. Rund 0,3 Prozentpunkte des diesjährigen Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen auf die höhere Zahl an Werktagen. Für das dritte Quartal wird lediglich ein Plus von 0,1 Prozent erwartet, weil das lange Niedrigwasser im Rhein die Produktion um schätzungsweise 0,2 Prozent dämpft. Zum Jahresende dürfte die Wirtschaftsleistung wieder stärker zulegen.Weitere Rückschläge drohen nach wie vor durch die Folgen des Irankriegs. Zusätzliche expansive Impulse seitens der Finanzpolitik, die dieses Jahr die Wirtschaftsleistung anschieben, werden in den kommenden Jahren schwinden. Getragen wird die Erholung vom Außenhandel, der private Konsum bleibt dagegen schwach.
Inflation verharrt auf hohem Stand, privater Konsum bleibt gedämpft
Während die höheren Öl- und Gaspreise infolge des Irankriegs an der Tankstelle unmittelbar den Verbraucher erreichen, werden die höheren Energiekosten in anderen Bereichen erst nach und nach an die Verbraucher weitergereicht. Daher wird die Inflationsrate sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr mit 2,7 Prozent hoch bleiben. Die damit verbundenen Kaufkraftverluste der privaten Haushalte dämpfen den privaten Konsum. Erst im Jahr 2028 dürfte die Inflation mit den dann wieder sinkenden Energiepreisen deutlich auf 1,9 Prozent zurückgehen und sich der private Konsum wieder etwas beleben.
„Die privaten Investitionen bleiben weiterhin verhalten – das Sondervermögen für Infrastruktur und die staatlichen Rüstungsausgaben sorgen zwar für Aufschwung. Diese finanzpolitischen Impulse laufen aber in den Folgejahren aus, während die Sozialabgaben steigen und die geopolitischen Risiken hoch bleiben“, erklärt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. „Daher sind standortstärkende Reformen so wichtig“.