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BMVI prüft Eignung städtischer Seilbahnen

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat eine Studie beauftragt, die über die Eignung von Seilbahnen als innerstädtisches Verkehrsmittel Aufschluss geben soll. Beispiele aus anderen Großstädten weltweit gibt es bereits.

Seilbahnen mitten in der Stadt sind keine Spinnerei. Das zeigen Beispiele in Medellin (Kolumbien), La Paz (Bolivien), New York und Portland (USA), Lissabon (Portugal), London (England) oder Ankara (Türkei). Aber auch in Deutschland sind sie mitunter schon Teil des Verkehrssystems, so beispielsweise in Köln oder Koblenz. In Hamburg hingegen stimmten 2014 bei einem Bürgerentscheid mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten gegen die Pläne einer Seilbahn über die Elbe.

Die dennoch vergleichweise geringe Erfahrung mit Seilbahnen nimmt das BMVI nun zum Anlass, prüfen zu lassen, ob hier nicht eine alltagstaugliche Mobilitätsalternative ungenutzt ist, um dem Verkehrsinfarkt in manchen Städten effektiv begegnen zu können. Der Auftrag einer entsprechenden Studie über die „stadt- und verkehrsplanerische Integration urbaner Seilbahnprojekte“ ging an das Beratungsunternehmen Drees & Sommer und das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart (VWI), die einen Leitfaden für die „Realisierung von Seilbahnen als Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“ erstellen sollen. In zwei Jahren soll das Papier vorliegen.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Seilbahnen sind leise, sicher und leistungsfähig. Schwieriger, aber durchaus lösbar sind hingegen die rechtlichen Probleme, wenn es um die Grundstückssicherung für die Konstruktion und Überfahrrechte geht.

Sebastian Beck, Infrastruktur-Experte bei Drees & Sommer, ist sich deshalb auch sicher, dass „Seilbahnen als Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Nahverkehr in Zukunft eine nicht mehr wegzudenkende Option sein werden, zumal der Verkehr in Städten und Ballungsräumen zunehmend an seine Grenzen stößt.“ Stefan Tritschler vom Co-Auftragnehmer VWI ergänzt, dass „Seilbahnen den Luftraum weitgehend unabhängig vom übrigen Verkehr nutzen, technisch ausgereift sind und vor Ort kaum Emissionen erzeugen.

Im Ergebnis handelt es sich um eine löbliche Initiative, die Verkehrspolitker, aber insbesondere Stadt- und Verkehrsplaner aufmerksam verfolgen sollten.

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