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Berliner Banken warnen vor gravierenden Folgen für Mieter, Wohnungssuchende und den Wirtschaftsstandort

Enteignung schafft keine einzige neue Wohnung.

Eine gemeinsame Initiative für bezahlbaren Wohnraum von Berliner Sparkasse, Berliner Volksbank, Deutsche Kreditbank AG (DKB) und der Investitionsbank Berlin (IBB) fordert faktenbasierte Debatte über die Folgen einer Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin.

Eine Vergesellschaftung – de facto eine Enteignung – großer Wohnungsbestände in Berlin würde keinen einzigen Quadratmeter zusätzlichen Wohnraums schaffen, jedoch erhebliche Risiken für den Wohnungsmarkt, Mieterinnen und Mieter, Wohnungssuchende, den Berliner Landeshaushalt und den Wirtschaftsstandort mit sich bringen. Internationale Investoren beobachten die Entwicklung sehr kritisch. Eine Entscheidung für Vergesellschaftung würde die Berliner Wirtschaft massiv belasten und Arbeitsplätze kosten.

Zu diesem Ergebnis kommen zwei Gutachten unabhängiger Wirtschaftsexperten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und von Empirica, deren Ergebnisse von der Berliner Sparkasse, der Berliner Volksbank, der Deutschen Kreditbank AG (DKB) und der Investitionsbank Berlin (IBB) im Rahmen einer Pressekonferenz am 23. Juni 2026 in Berlin vorgestellt wurden.

Die vier Institute eint dabei eine klare Haltung: Berlin braucht mehr bezahlbaren Wohnraum. Dieses Ziel wird jedoch nicht durch die erzwungene Veränderung von Eigentumsverhältnissen erreicht, sondern durch zusätzliche Investitionen, mehr Neubau, schnellere Genehmigungen und verlässliche Rahmenbedingungen für alle Akteure des Wohnungsmarktes.

„Berlin steht vor einer realen wohnungspolitischen Herausforderung. Vor allem Wohnungssuchende spüren die Folgen des anhaltenden Wohnraummangels. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wem bereits bestehende Wohnungen gehören, sondern wie zusätzliche Wohnungen und neuer Wohnraum entstehen können“, erklären die vier Banken.

Wohnraummangel bleibt ungelöst

Nach Einschätzung der Gutachter liegt die zentrale Ursache der angespannten Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt in einem strukturellen Angebotsdefizit. Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt seit Jahren das verfügbare Angebot.

Eine Vergesellschaftung würde daran nichts ändern. Sie schafft gerade keine neuen Wohnungen, beschleunigt keine Bauvorhaben und erhöht nicht das verfügbare Angebot an Wohnraum. Darüber hinaus wären Enteignungen sozialpolitisch nicht treffsicher. Sie würden für alle Mieterinnen und Mieter der betroffenen Wohneinheiten, unabhängig von ihrem Einkommen oder Vermögen erfolgen. Mehr als 40% der Haushalte in den betroffenen Wohnungen verfügen dabei über ein über dem Median liegendes Einkommen.

Vielmehr warnen die Gutachter vor dem Gegenteil des gewünschten Effekts: Unsicherheiten hinsichtlich Eigentumsrechte, Investitionsschutz und Finanzierungsmöglichkeiten könnten dringend benötigte Investitionen in Neubau, Modernisierung und Bestandserhalt bremsen.

Milliardenbelastungen für den Berliner Haushalt

Die Gutachten gehen – abhängig von der konkreten Ausgestaltung einer Vergesellschaftung – von finanziellen Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe für den Berliner Haushalt aus. Diese Mittel würden dem Land Berlin an anderer Stelle fehlen: für Neubau, Bildung, Infrastruktur, Mobilität, Klimaschutz, Sicherheit, Gesundheit, Kultur, Sport und Soziales.

Durch einen deutlichen Anstieg der Landesverschuldung würde die Bonität des Landes Berlin herabgesetzt, was zu einer signifikanten Verteuerung der Schuldenzinsen Berlins führen würde. Die Folge wäre eine deutliche Einschränkung der finanziellen Handlungsfähigkeit des Landes. „Am Ende müssen alle Berlinerinnen und Berliner die Zeche zahlen. Denn jeder Euro, der für Entschädigungen aufgewendet werden muss, steht für Investitionen in die Zukunft der Stadt nicht mehr zur Verfügung.“, so die vier Institute.

Private Investitionen bleiben unverzichtbar

Besonders kritisch sehen die Banken die möglichen Auswirkungen von Vergesellschaftungen auf die Investitionsbereitschaft privater Akteure aus dem In- und Ausland, die allein 2024 für zwei Drittel aller fertiggestellten Wohnungen in Berlin verantwortlich waren.

Der Wohnungsbau ist kapitalintensiv und auf langfristige Planungssicherheit angewiesen. Investitionsentscheidungen werden oft über Zeiträume von 20, 30 oder mehr Jahren getroffen. Voraussetzung dafür sind verlässliche Eigentumsrechte, stabile regulatorische Rahmenbedingungen und kalkulierbare Geschäftsmodelle.

Eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände würde genau diese Faktoren infrage stellen. Aus Sicht der Gutachter könnte dies zu einer nachhaltigen Verunsicherung von Investoren, Projektentwicklern, institutionellen Kapitalgebern und finanzierenden Banken führen. Die Folge wäre zunehmende Zurückhaltung bei neuen Investitionen.

Besonders betroffen wären dabei jene Investitionen, die Berlin zur Entspannung des Wohnungsmarktes dringend benötigt: Neubauprojekte, Nachverdichtungen, energetische Sanierungen sowie die Umwandlung bestehender Gebäude in zusätzlichen Wohnraum. Nach Einschätzung der Gutachter hätte eine Vergesellschaftung auch Signalwirkung weit über den Immobiliensektor und Berlin hinaus.

Eine nachhaltige Verunsicherung von Investoren könnte die Attraktivität Berlins als Wirtschaftsstandort beeinträchtigen, Kapitalinvestitionen erschweren und Wachstumsimpulse schwächen. Bereits heute, so die beteiligten Banken, sei vor dem Hintergrund der anhaltenden Vergesellschaftungsdebatte eine Zurückhaltung bei Investitionen in den Wohnungsmarkt zu beobachten und das zu einer Zeit, in der gerade mehr und nicht weniger Investitionen dringend gebraucht werden.

Olaf Schulz, Mitglied des Vorstands der Berliner Sparkasse

„Die Berliner Sparkasse steht für gesundes Wachstum, das auf bessere Lebensqualität und mehr Wirtschaftskraft einzahlt und von dem alle Berlinerinnen und Berliner profitieren. Die Lösung der Wohnungsfrage ist elementar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den kommenden Jahren. Die Initiative für Enteignungen hat dagegen das Potential, die Stadt zu spalten. Sie hilft wenigen auf Kosten von vielen. Es braucht stabile, verlässliche Rahmenbedingungen sowie Vertrauen und keine ideologischen Experimente auf dem Rücken der Menschen. Ideologie schafft keinen Quadratmeter Wohnraum – neue Wohnungen entstehen durch Investitionen, Kräne und Tempo. Es braucht eine unverzügliche Beseitigung aller bürokratischen Hemmnisse, die kostengünstiges Bauen verhindern, entschlossenes Vorgehen gegen jede Art der Zweckentfremdung von bestehendem Wohnraum und eine Stärkung des genossenschaftlichen Wohnbaus. Darüber hinaus muss jungen Familien der Erwerb von Wohneigentum wieder ermöglicht werden, zum Beispiel durch die Abschaffung der Grunderwerbsteuer.“

Carsten Jung, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank:

„Die Vergesellschaftung wäre ein gefährlicher Präzedenzfall. Sie würde ökonomische Verwerfungen nach sich ziehen, die weit über den Berliner Immobilienmarkt hinausgehen und das Investitionsklima in ganz Deutschland schädigen. Und davon abgesehen schafft sie nicht mal neuen Wohnraum. Ohne die Grundpfandrechte müssten die Banken Kredite in Milliardenhöhe sofort zurückfordern. Da die Wohnungsunternehmen aber nur eine niedrige Entschädigung bekommen sollen, könnte das für einige von ihnen die Insolvenz bedeuten. Und dann wäre da niemand mehr, der die vielen Wohnungen bewirtschaftet, Handwerker für Reparaturen beauftragt und dergleichen. Die Anstalt öffentlichen Rechts hätte ja gar nicht das Personal, um sofort Hunderttausende Wohnungen zu managen. Wenn Vergesellschaftung in Berlin tatsächlich passieren sollte, fragt sich doch jeder, welche Stadt als nächste an der Reihe ist?“

Tilo Hacke, Mitglied des Vorstands der Deutschen Kreditbank AG (DKB):

„Die gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft leistet für Berlin einen unverzichtbaren Beitrag. Landeseigene und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen investieren unter schwierigen Bedingungen in Neubau, Bestand und bezahlbare Mieten – das ist wichtig und verdient Anerkennung. Zugleich zeigen die Zahlen sehr klar: Berlin wird den Wohnraummangel ohne private Investitionen nicht lösen. Von 2020 bis 2024 wurden in Berlin 80.844 Wohnungen fertiggestellt; 30.496 davon durch BBU-Mitglieder, aber 50.348 – also gut 62 Prozent – durch private Investoren. Wer durch Vergesellschaftungsdebatten Vertrauen beschädigt, gefährdet deshalb einen großen Teil der Bautätigkeit. Das würde nicht nur den Wohnungsmarkt weiter verengen, sondern auch Berlin als Wirtschaftsstandort schwächen, fiskalische Spielräume einengen und am Ende vor allem die Bürgerinnen und Bürger treffen.“

Dr. Hinrich Holm, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin (IBB):

„Seit mehr als 100 Jahren erfüllt die IBB ihren öffentlichen Auftrag, bezahlbaren Wohnraum in Berlin zu fördern. Allein im letzten Jahr haben wir die Finanzierung von mehr als 5.000 Sozialwohnungen bewilligt und damit die Zielmarke erreicht. Seit der Wiedereinführung der sozialen Wohnraumförderung im Jahr 2014 wurden 30.679 Wohnungen bewilligt, von denen bis Ende 2025 bereits 15.848 fertiggestellt waren. Dafür haben wir öffentliche Fördermittel in Höhe von 4,7 Milliarden Euro bereitgestellt. Die Kosten einer Vergesellschaftung würden sich dagegen auf ein Vielfaches dieser Summe belaufen, ohne dass dadurch auch nur eine einzige neue Wohnung entsteht. Wenn wir mehr bezahlbaren Wohnraum wollen, sollten öffentliche Mittel vor allem dort eingesetzt werden, wo neue Wohnungen gebaut werden.“

Mehr Wohnraum statt Eigentumsverschiebung

Die vier Banken sprechen sich deshalb für einen konsequenten Ausbau des Wohnungsangebots aus. Dazu gehören insbesondere schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, zusätzliche Bauflächen, die Umwandlung geeigneter Gewerbeflächen in Wohnraum, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen sowie zielgerichtete Förderinstrumente für Haushalte mit besonderem Unterstützungsbedarf.

„Berlin braucht mehr bezahlbaren Wohnraum – keine Neuordnung der Eigentumsverhältnisse im Bestand. Die Herausforderung ist groß, aber sie lässt sich lösen: durch Bauen, Investieren und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Politik, Wohnungswirtschaft und Finanzierungsseite. Wir vier Häuser stehen als verlässliche Finanzierungspartner bereit. Als Wettbewerber im Markt – aber vereint in der Sache für die Berlinerinnen und Berliner und unsere Stadt“, so die gemeinsame Erklärung der Banken.

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