Aber: Deutliches Orderplus im Juni gibt Hoffnung auf Trendwende 2027.
Die BAUINDUSTRIE hat ihre Umsatzprognose für 2026 von real plus 2,5 Prozent zu Jahresbeginn auf plus 1 Prozent reduziert. Sie hat sich damit der Skepsis der Forschungsinstitute hinsichtlich der Entwicklung im laufenden Jahr angeschlossen. „Angesichts der bis einschließlich Mai stark gebremsten Baukonjunktur und den steigenden Baukosten ist unsere ursprüngliche Prognose nicht mehr zu halten. Insbesondere der Wohnungsbau wird Federn lassen: Hierfür gehen wir nur noch von einem leichten realen Plus von 0,5 Prozent aus, im Januar lagen wir noch bei + 2 Prozent. Dass wir nicht ins Minus gegangen sind, ist allein den Juni-Werten zu verdanken, mit einem deutlichen Order- und einem leichten Umsatzplus. Ob es sich hierbei aber wirklich um eine unerwartete Trendwende oder nur um ein einmaliges Monats-Strohfeuer handelt, bleibt abzuwarten.“ Mit diesen Worten kommentiert der Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, Tim-Oliver Müller, die Lage am Bau. Die Einschätzung des Verbandes werde durch eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen bestätigt, wonach nur noch 30 Prozent der Befragten davon ausgingen, dass der Umsatz im eigenen Unternehmen 2026 zulegen werde, genauso viele rechneten mit einem Rückgang.
Einen Hoffnungsschimmer bieten aber die aktuellen Juni-Werte, die das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Demnach wird für das deutsche Bauhauptgewerbe1,2 – auch dank einiger Großprojekte – für den Monat Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat ein reales und kalenderbereinigtes Plus von 11,3 Prozent, zum Vormonat3 von 6,0 Prozent ausgewiesen. Für das erste Halbjahr ergeben sich damit (in Summe erstmalig) ein Plus2 von real 1,8 Prozent. Im Umsatz ist dies allerdings noch nicht angekommen: Für diesen wird für die ersten sechs Monate noch ein Minus von real 0,7 Prozent ausgewiesen, trotz eines Zuwachses im Juni von real 6,6 Prozent.
Müller: „Es gilt nach wie vor: Umsatz ist noch kein Ertrag. Angesichts der gestiegenen Kosten, die nicht eins zu eins an den Auftraggeber weitergegeben werden können, sind die Unternehmer hinsichtlich des Ertrags pessimistisch.“ Denn: Nur noch 13 Prozent der Befragten erwarten eine Steigerung, 43 Prozent hingegen einen Rückgang. Schließlich haben fast alle von Preissteigerungen bei Diesel, Energie und Baumaterial berichtet, wobei dreiviertel der Befragten angegeben haben, dass die gestiegenen Kosten nicht weitergegeben werden können. Trotzdem wird das Personal gehalten (57 Prozent), bzw. sogar weiter aufgebaut (24 Prozent), nur 19 Prozent rechnen mit einem Rückgang. „Die Unternehmen möchten sich für eine Erholung im kommenden Jahr gut aufstellen. Sie hoffen (28 Prozent gaben dies an), dass einzelne Projekte nur zurückgestellt, aber nicht komplett aufgegeben werden. Aus diesem Grund halten wir an unserer ursprünglichen Beschäftigtenprognose von plus 1 Prozent bzw. 10.000 Personen auf 933.000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe fest. Ein Kraftakt unserer mittelständischen bis großen Firmen, der unternehmerischen Mut und Weitblick gleichermaßen zeigt. Auf den Bau kann man zählen, nach wie vor.