Eine immowelt Analyse zur Entwicklung der Angebotspreise und Angebotsmieten von Bestandswohnungen im Vorjahresvergleich an 50 ausgewählten deutschen Automobil- und Zulieferer-Standorten zeigt:
Abkühlung im VW-Kernland Niedersachsen: An Industriestandorten wie Salzgitter (-5,4 Prozent) und Braunschweig (-1,0 Prozent) sinken die Kaufpreise binnen eines Jahres, während die Mietdynamik weit hinter dem Landestrend zurückbleibt.
Ostdeutsche Standorte entwickeln sich konträr: Während Zwickau (-1,0 Prozent) und Chemnitz (-0,9 Prozent) Preisrückgänge beim Immobilienkauf verzeichnen, erweist sich Dresden (+5,5 Prozent) als robuster Technologie-Hub.
Starker Süden federt ab: In Ingolstadt (+5,8 Prozent) und Sindelfingen (+5,1 Prozent) steigen die Kaufpreise weiter. Eine breite Branchenvielfalt stützt die Märkte in Süddeutschland.
Während in der deutschen Automobilindustrie intensiv über Werksschließungen, Abbaupläne und E-Auto-Quoten diskutiert wird, hinterlässt der Wandel erste sichtbare Spuren auf den regionalen Immobilienmärkten. Eine umfassende immowelt Analyse von 50 Automobil- und Zulieferer-Standorten zeigt ein differenziertes Bild: Während ein flächendeckender Einbruch ausbleibt, entkoppeln sich einzelne stark industrieabhängige Regionen spürbar vom bundesweiten Trend.
In der Gesamtschau präsentiert sich der deutsche Immobilienmarkt bislang allerdings robust: Im bundesweiten Durchschnitt stiegen die Angebotspreise für Bestandswohnungen in den vergangenen zwölf Monaten um 3,4 Prozent und die Angebotsmieten um 2,5 Prozent. Die Umstrukturierungen in der Automobilbranche haben sich somit nicht zu einer flächendeckenden Krise ausgewachsen. Wo jedoch Beschäftigung und Kaufkraft maßgeblich an einzelnen Großkonzernen hängen, hinterlässt die wirtschaftliche Verunsicherung Spuren auf den lokalen Märkten. Für die Auswertung wurde die Entwicklung der Angebotspreise und Angebotsmieten von Bestandswohnungen in ausgewählten deutschen Automobil- und Zulieferer-Standorten in den letzten 12 Monaten untersucht.
„In einzelnen Regionen zeigen unsere Daten auffällige Preiskorrekturen, die zeitlich mit den Umbau- und Sparmaßnahmen der dort ansässigen Automobilindustrie zusammenfallen“, sagt Theo Mseka, CEO von immowelt. „Dies ist ein messbarer Indikator dafür, dass sich wirtschaftliche Unsicherheiten auf lokaler Ebene in der Preisentwicklung von Wohnimmobilien widerspiegeln.“
Abkühlung im niedersächsischen VW-Kernland
Besonders deutlich zeigt sich dieser Mechanismus in Niedersachsen. In Salzgitter, das sich im Wandel zum Batteriezell-Standort befindet, sinken die Kaufpreise im Jahresvergleich um -5,4 Prozent auf 1.624 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten stagnieren nahezu bei +0,4 Prozent und bleiben damit deutlich hinter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt (+2,7 Prozent) zurück. Auch im VW-Komponentenstandort Braunschweig geben die Kaufpreise um -1,0 Prozent auf 3.100 Euro pro Quadratmeter nach, während die Mietdynamik ebenfalls bei +0,4 Prozent verharrt.
Gegenläufiger Trend in Wolfsburg
In der VW-Stammstadt Wolfsburg driften Kauf- und Mietmarkt auseinander. Die Kaufpreise zeigen sich mit einem Zuwachs von +4,8 Prozent auf 2.664 Euro pro Quadratmeter widerstandsfähig – getragen von Kapitalanlegern und langfristig orientierten Käufern. Der Mietmarkt fungiert hingegen als Schnelligkeits-Indikator: Wenn weniger Berater, Dienstleister und Leiharbeiter für befristete Projekte nach Wolfsburg kommen, stehen Mietwohnungen schneller leer. Die Angebotsmieten sinken dementsprechend um -0,7 Prozent (auf 8,23 Euro pro Quadratmeter).
Ostdeutsche Industriestandorte entwickeln sich konträr
In den ostdeutschen Autoregionen offenbart sich ein gespaltenes Bild. An den traditionsreichen sächsischen Fahrzeugbaustandorten Zwickau (-1,0 Prozent auf 1.113 Euro pro Quadratmeter) und Chemnitz (-0,9 Prozent auf 1.408 Euro pro Quadratmeter) korrigieren die Kaufpreise nach unten. In Leipzig schwächt sich der Kaufpreiszuwachs auf +0,3 Prozent ab. Konträr dazu präsentiert sich Dresden: Volkswagen hat im Dezember 2025 nach 24 Jahren die Autoproduktion in der Gläsernen Manufaktur beendet. Das Werk wird derzeit zum Innovationscampus für Mikroelektronik umgebaut. Trotzdem steigen die Preise deutlich – getragen von Dresdens Rolle als Chip-Standort: Hier fertigt Infineon Halbleiter, die in Fahrzeuge weltweit eingebaut werden. Die Kaufpreise legen um 5,5 Prozent zu, die Mieten um 4,2 Prozent.
Starker Süden: Diversifikation federt Schwankungen ab
Dass der Immobilienmarkt Branchen-Beben auch absorbieren kann, beweist ein Blick nach Süddeutschland. Die bayerischen Standorte zeigen sich weitgehend unbeeindruckt: In Ingolstadt (Audi) steigen die Kaufpreise binnen eines Jahres um +5,8 Prozent und die Mieten um +2,7 Prozent. Auch in München (BMW) wächst der Markt weiter (Kauf: +1,6 Prozent, Miete: +3,5 Prozent). Selbst an traditionsreichen Zulieferer-Standorten wie Würzburg (+6,3 Prozent) und Schweinfurt (+6,4 Prozent) sowie im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau (+0,5 Prozent) verzeichnen die Kaufpreise weiterhin Zugewinne.
Im benachbarten Baden-Württemberg zeigen sich zwar punktuell Preisanpassungen, ein Einbruch bleibt jedoch aus: Während in der Autometropole Stuttgart die Kaufpreise leicht um -1,0 Prozent (auf 4.265 Euro pro Quadratmeter) nachgeben, legt das nahegelegene Sindelfingen sowohl beim Kauf (+5,1 Prozent) als auch bei den Mieten (+4,8 Prozent) spürbar zu. Die süddeutschen Wirtschaftsräume profitieren von einer breiten Branchenvielfalt und einer anhaltend hohen Grundnachfrage, die Schwankungen einzelner Industrien abfedert.