Außerplanmäßiges Herbstgutachten des Rates der Immobilienweisen vorgestellt

Da die Corona-Krise bei der Erstellung und Vorstellung des Frühjahrsgutachten nicht absehbar war, hat der ZIA Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. den Rat der Immobilienweisen mit einer außerplanmäßigen Überarbeitung beauftragt und diese heute vorgestellt.

Angefangen bei der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung über die einzelnen Assetklassen bis hin zu den Wohnimmobilien wird dabei deutlich, dass die Corona-Krise vorhandene Trends beschleunigt und, mit Ausnahme bei den Hotelimmobilien, kaum neue Probleme aufwirft. Vielmehr werden die bestehenden Probleme wie unter einem Brennglas deutlicher und deren Lösung dringlicher.

V-förmigen Erholung

Ob Flächenbrände entstehen, wird sich in erster Linie nach der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung richten. Die bisherige Prognose einer V-förmigen Erholung mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus in 2022 kann man da wohl als Licht am Ende des Tunnels betrachten. Das verzögerte Eintreffen von negativen Effekten in der Baubranche würde dann mit gesamtwirtschaftlichen positiven Nachrichten zusammenfallen, so dass nur ein abgeschwächter Einbruch stattfinden könnte.

Zu Recht weisen die Gutachter aber daraufhin, dass die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht sich zunehmend zu einem hohen und unkalkulierbaren Risiko für die Finanzstabilität und damit auch die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven auswirkt.

Homeoffice und Hygienebestimmungen sind gegenläufige Trends

Homeoffice und Hygienebestimmungen sind gegenläufige Trends, die den Büromarkt beeinflussen. Bei dieser unklaren Gemengelage und ohnehin höheren Abhängigkeit der Wirtschaftsimmobilien von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung ist es also kein Wunder, dass der Transaktionsmarkt in diesem Bereich ruht.

Allerding ist die Lage kaum mit dem stationären Textilhandel und den Hotelimmobilien zu vergleichen, da dort den negativen Trends kaum positive Entwicklungen gegenüberstehen.

Differenzierten Signale bei den Logistikimmobilien

Diese differenzierten Signale sieht das Team der bulwiengesa AG um Andreas Schulten wiederum bei den Logistikimmobilien. Die hohen Fertigstellungszahlen und der starke Flächenverbrauch hatten ursprünglich zu Problemen bei der Suche nach neuen Standorten geführt. Die in der Krise deutlich gewordene besondere Bedeutung einer sicheren Lieferkette im Krisenfall könnte jedoch auch bei Firmen, Kommunen und Genehmigungsbehörden zukünftig als weitaus wichtiger angesehen werden. 

Schwerpunkt Einzelhandelsimmobilien

Einen besonderen Schwerpunkt legen Michael Gerling, Lena Knopf und Kristina Pors (EHI Retail Institute GmbH) auf eine genaue Betrachtung der Einzelhandelsimmobilien. Diese sind ja nicht nur von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, sondern auch vom Konsumklima abhängig, welches schneller im Keller ist und sich zum Teil erst verzögert erholt.

Aber auch hier gibt es Differenzierungen. Die Gutachter sehen Nahversorgung, ganz besonders der Lebensmitteleinzelhandel, aber auch Drogeriemärkte, Baumärkte, Fachmärkte für Tiernahrung, der Zweiradhandel und allen voran der Onlinehandel als Profiteure der aktuellen Entwicklungen. Besonders starke Verlierer sind jedoch die Branchen Bekleidung, Schuhe und Lederwaren.

Fortschreibung der vorhandenen Entwicklung bei Wohnimmobilien

Bei der Betrachtung der Wohnimmobilen hatte der Gutachter Prof. Dr. Harald Simons (empirica ag) schon in den letzten Jahren die provokante These aufgestellt, dass vielerorts die „Party vorbei“ wäre. Dass nunmehr in einigen Hotspots die Mietpreise stagnieren oder leicht rückgängig sind, ist daher auch keine Auswirkung der Pandemie, sondern eine Fortschreibung der vorhandenen Entwicklung. Die mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einhergehende Entwicklung der Einkommenssituation der Haushalte hält auch er für den entscheidenden und sehr schwer zu bewertenden Aspekt der Zukunftsprognose. Für die Wohnimmobilien außerhalb der A-Städte kommen Carolin Wandzik und Daniel Hofmann vom GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH zu ähnlichen Ergebnissen, wobei die Trends zum veränderten Arbeiten und größerem Platzbedarf sicherlich zusätzliche positive Treiber außerhalb der Hotspots sein können.

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